Drauradweg von Toblach bis Maribor und weiter bis Graz

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Radfux
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Drauradweg von Toblach bis Maribor und weiter bis Graz

Beitrag von Radfux »

Wir waren mit Freunden aus USA, denen ich ein gebrauchtes Alu-Pino gekauft hatte, für 7 Tage an der Drau von Toblach bis Maribor und danach noch bis Graz unterwegs. Das haben wir direkt nach einer 11-tägigen Dolomiten-Durchquerung auf dem Höhenweg Nr. 9 gemacht, was uns wegen dem kalten und langen Wintereinbruch noch in den Knochen steckte. Aber mit zunächst kürzeren Strecken und flußabwärts konnten wir uns beim Pino-Radeln gut erholen, bevor dann die hügelige Landschaft Sloweniens wieder unsere volle Beinkraft erforderte - die der amerikanischen Freunden weniger, da der Captain sein Pino gleich mit‘nem eMotor ausgestattet hatte (siehe diesen Beitrag). Der Übergang von der Drau zur Mur war dann auch nochmals sehr anstrengend, aber danach konnten wir‘s gemütlich ausrollen lassen bis nach Graz.
Insgesamt war das eine herrliche mehrtägige Radtour, sehr zu empfehlen. Anscheinend überbrücken viele Radtouristen die anstrengendste Etappe von Dravograd bis Maribor per Zug, was die Gesamtstrecke zwar erleichtert, aber man verpasst dadurch auch viel vom slowenischen Teil, der mitunter am schönsten war.

Hier eine allgemeine Beschreibung der offiziellen Drauradweg-Webseiten mit Kurzbeschreibung der Etappen und vielen weiteren Informationen.
Falls jemand unsere Komoot-Aufzeichnungen haben möchte, der kann sich bei mir per PN gerne unter Angabe seines Komoot-Users melden, damit ich die Strecken teilen kann.

Hier ein paar Infos und Impressionen von den einzelnen Etappen:

1. Tag - Toblach bis Lienz - ca. 52 km
Die Jugendherberge in einem ehemaligen Grand Hotel in Toblach ist absolut zu empfehlen. Anfangs hatten wir leider kalten Nieselregen, aber es wurde im Tagesverlauf sonniger. Diese Gefällstrecke entlang der noch jungen Drau ist sehr einfach mit nur wenigen kurzen Anstiegen, sonst geht‘s immer nur runter bis Lienz. Unterwegs haben wir unseren Augen nicht getraut, als uns ein weiteres Pino-Team entgegen kam - Rudi_42 aus‘m Forum auf der Rückfahrt von der kroatischen Adria. Also ein kleines Pinotreffen in Südtirol :P
Tag-1 Toblach nach Lienz
Tag-1 Toblach nach Lienz
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Jugendherberge Toblach
Jugendherberge Toblach
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Start zur Pino-Reise
Start zur Pino-Reise
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Am Drauradweg im Regen am Tag-1
Am Drauradweg im Regen am Tag-1
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Kleines Pino-Treffen ;-)
Kleines Pino-Treffen ;-)
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2. Tag - Lienz bis Spittal - ca. 82 km
Auch diese Strecke ist sehr flach mit ein paar kurzen Hügeln und verläuft meistens sehr schön entlang der anwachsenden Drau, die wegen den vielen Regen- und Schneefällen der letzten Tage viel Wasser führte, aber nirgends über die Ufer trat.
Unterwegs trafen wir ein Single-Bike Pärchen, dem ich mit meiner Luftpumpe aushelfen durfte für den Schlauchwechsel.
Eine andere, interessantere Begegnung war ein Radler, der sich trotz unserer Ankunft an seinem Rastplatz nicht aus dem Schlaf bringen ließ, als wir vesperten und uns dabei unterhielten. Als er erschrocken aufwachte, aber nichts zu uns sagte, wunderten wir uns etwas. Im Lauf der Zeit stellte sich raus, dass er taub und stumm war, und wir waren wohl zu blind, um das rechtzeitig zu bemerken.
Tag-2 Lienz nach Spittal
Tag-2 Lienz nach Spittal
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Drau am Morgen
Drau am Morgen
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Kurzer Support-Stop für andere Radler
Kurzer Support-Stop für andere Radler
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Herrliche Radwege im Drautal
Herrliche Radwege im Drautal
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Interessante Pausen-Begegnung
Interessante Pausen-Begegnung
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3. Tag - Spittal bis Mühlbach im Rosental (hinter Villach) - ca. 64 km
Mit mehr Urlaubstagen könnte man in diesem Abschnitt ein paar Umwege zu den Kärtner Seen machen (u.a. Millstätter, Ossiacher, Wörther). Aber auch der Radweg entlang der Drau ist echt klasse. Nach Villach gibt‘s eine Umleitung mit Anstiegen, die schon länger zu bestehen scheint. Die zwei Städtchen Spittal und Villach haben uns nicht sehr begeistert, aber das Rosental danach ist toll, wo auch unsere Unterkunft lag - an dem Abend konnten wir sogar im eiskalten Naturpool ein Erfrischungsbad nehmen.
Tag-3 Spittal bis Mühlbach
Tag-3 Spittal bis Mühlbach
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Schöne Radwege entlang der Drau
Schöne Radwege entlang der Drau
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Rast am Drau-Ufer
Rast am Drau-Ufer
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Herziges Villach
Herziges Villach
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Naturteich der Unterkunft in Mühlbach zum Baden (eiskaltes Wasser :-) )
Naturteich der Unterkunft in Mühlbach zum Baden (eiskaltes Wasser :-) )
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4. Tag - Mühlbach bis Völkermarkt - ca. 70 km
Kühl und neblig startete dieser Radeltag, das Ufer der Drau war richtig mystisch, nur die Fernsicht auf die Umgebung war dadurch doch sehr eingeschränkt. Später wurde es dann wieder sonnig, aber der kühle Gegenwind blies den ganzen Tag von Osten. Die Drau wird zunehmend aufgestaut zur Stromgewinnung durch Flusskraftwerke und wird so selbst zu einer Seen-/Flusslandschaft, allerdings einer künstlichen mit befestigten Uferböschungen. Dementsprechend gibt‘s auch so gut wie kein Wassersport, da dieser in den Stauseen verboten ist, und leider kaum Wasservögel, zumindest zu dieser Jahreszeit. Der Radweg auf den Dämmen und Uferwegen verläuft dennoch herrlich. Einen Abstecher in die „Büchsenmacherstadt“ Ferlach kann man sich getrost sparen, das hat sich nicht gelohnt. Stattdessen ist die Alte Draufähre ein Halt wert, nur war sie gerade auf der anderen Seite als wir dort vorbeikamen. Bei Völkermarkt verpassten wir einen schönen Anstieg zur Stadt auf einem Panoramaweg. Die Alternative entlang der vielbefahrenen Hauptstrasse ist nicht empfehlenswert, dann doch lieber nochmals umdrehen. Dieses Städtchen ist außerhalb der Hochsaison (oder vielleicht überhaupt?) sehr verschlafen.
Tag-4 Mühlbach nachVölkermarkt
Tag-4 Mühlbach nachVölkermarkt
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Seenlandschaft der aufgestauten Drau
Seenlandschaft der aufgestauten Drau
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ruhige Ufer-Radwege trotz sonnigem Sonntag
ruhige Ufer-Radwege trotz sonnigem Sonntag
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5. Tag - Völkermarkt bis Kovačjia (vor Maribor) - ca. 83 km
Nun wurde es so richtig hügelig und anstrengend vor sowie nach der slowenischen Grenze. Von der Drau sieht man nicht mehr so viel, da sich der Radweg öfters davon entfernt. Eine tiefe Schlucht konnten wir unter einer neuen hypermodernen Schnellzugbrücke überqueren, eine andere auf einer luftigen Hängebrücke. In Slowenien wurden die Sträßchen nach Davograd dann etwas ruppiger, aber der Schlußanstieg zu unserer tollen Unterkunft in einer 200-Jahre alten Schmiede war dann wieder herrlich. Die Gastfreundschaft der Hauswirtin war überaus herzlich und sie kochte uns ein vorzügliches, mehr als ausreichendes Abendessen, und das sogar vegan (unsere Freunde sind strikte Vegetarier, und vegan ist dann das „Sahnehäubchen“).
Tag-5 Völkermarkt nach Kovacjia
Tag-5 Völkermarkt nach Kovacjia
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tiefes Drautal von hoher Zugbrücke
tiefes Drautal von hoher Zugbrücke
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Drau-Überquerung unter neuer Schnellbahnbrücke
Drau-Überquerung unter neuer Schnellbahnbrücke
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Hängebrücken-Überquerung
Hängebrücken-Überquerung
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Grenze nach Slowenien
Grenze nach Slowenien
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Enge, rauhe Waldsträßchen in Slowenien
Enge, rauhe Waldsträßchen in Slowenien
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Unterkunft in einer 200-Jahre alten Schmiede
Unterkunft in einer 200-Jahre alten Schmiede
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Die alte Schmiede im Gastraum
Die alte Schmiede im Gastraum
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Schöner Schlafsaal in der alten Schmiede
Schöner Schlafsaal in der alten Schmiede
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Re: Drauradweg von Toblach bis Maribor und weiter bis Graz

Beitrag von Radfux »

Fortsetzung ...

6. Tag - Kovačjia bis Ehrenhausen (vor Leibnitz) - ca. 63 km
Gleich nach dem üppigen leckeren Frühstück ging’s weiter in die Höhe und danach in stetigem auf und ab bis Maribor, wo uns ein starker Platzregen einholte - doch wir konnten uns unter einer Brücke gut unterstellen. Das ist ein sehr schönes Städtchen mit vielen Läden, Kneipen, Studenten und tollem Flair.
Man könnte von hier weiter der Drau entlang, es wird danach auch wieder flacher, und ein paar weitere schöne Städte in Slowenien und Kroatien besuchen (u.a. Ptuj, Varazdin). Weiter flussabwärts vereinen sich die Drau und die Mur, so dass man bis dorthin an der Drau runter- und dann an der Mur wieder hochradeln könnte. Die dafür notwendige Zeit hatten wir jedoch leider nicht, daher bogen wir direkt gen Norden in Richtung Graz ab. Hier erwartete uns dann auf slowenischer Seite bis zur österreichischen Grenze nochmals ein heftiger Anstieg mit 19% Steigung. Die Landschaft erinnerte uns sehr an die Heimat im Neckar- und Remstal mit vielen Weinbergen und ebenfalls steilen Anstiegen, sowie netten Weinorten wie Ehrenhausen, unserem heutigen Ziel.
Tag-6 Kovacjia nach Ehrenhausen
Tag-6 Kovacjia nach Ehrenhausen
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Eines der riesigen Flusskraftwerke an der Drau
Eines der riesigen Flusskraftwerke an der Drau
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Uferradweg entlang der Drau kurz vor Maribor
Uferradweg entlang der Drau kurz vor Maribor
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Maribor, die zweitgrößten Stadt Sloweniens
Maribor, die zweitgrößten Stadt Sloweniens
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Stadtplatz in Maribor
Stadtplatz in Maribor
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Schlußanstieg im steirischen Weinviertel
Schlußanstieg im steirischen Weinviertel
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Wieder zurück in Österreich
Wieder zurück in Österreich
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Weinberge wie zu Hause in "the Länd"
Weinberge wie zu Hause in "the Länd"
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7. Tag - Ehrenhausen bis Graz - ca. 49 km
Überraschung zum Tagesanfang: das Gästehaus gehörte als Dependence zu einem First-Class Schlosshotel, in dem es auch für uns das Frühstück gab - alles was so ein Radlerherz (oder war’s der Magen?) begehrt, und das in höchster Qualität - sehr lecker. Der letzte Radeltag war dann wieder sehr angenehm flach an der Mur entlang und ging durch einige schöne Dörfer der Steiermark bis nach Graz. In den Flair und die Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe) der steirischen Hauptstadt kann man sich ja nur verlieben - eine tolle, quicklebendige Studentenstadt mit alter Historie und herrlichen Gebäuden - und natürlich wieder sehr leckerem Essen…

Nach der Radreise hatten wir noch einen tollen Besichtigungstag in der herrlichen Stadt Graz, bevor es anderntags per Mietwagen wieder zurück nach Toblach ging. Das war notwendig, weil die Bahn es uns Tandemfahrern leider unmöglicht macht, umweltbewusst zu reisen. Wegen Bauarbeiten mit Streckensperrung und Ersatzverkehr mit Bussen - unmöglich mit dem Pino. Aber auch der Miuetwagen war spannend: vereinbart war eine Großraumlimousine mit absenkbaren Fondsitzen. Reserviert und alleinig verfügbar war dann ein Van mit Fondsitzbänken, die nur umklappbar, aber nicht versenkbar waren. Und Sitzausbau war verboten bzw. wegen one-way Miete auch nicht möglich. Also doch einiges abbauen am Pino, damit es reinpasste...
Tag-7 Ehrenhausen nach Graz
Tag-7 Ehrenhausen nach Graz
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Zum Frühstück ins Schloß
Zum Frühstück ins Schloß
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Heimat unserer Pinos in der Steiermark
Heimat unserer Pinos in der Steiermark
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Ankunft am Endpunkt in Graz
Ankunft am Endpunkt in Graz
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Das Wahrzeiuchen von Graz: der Uhrenturm auf dem Schloßberg
Das Wahrzeiuchen von Graz: der Uhrenturm auf dem Schloßberg
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Pino im Mietwagen verstaut, trotz Hindernisse (nicht versenkbare Fondsitze)
Pino im Mietwagen verstaut, trotz Hindernisse (nicht versenkbare Fondsitze)
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Re: Drauradweg von Toblach bis Maribor und weiter bis Graz

Beitrag von Claudia »

Danke für Euren schönen Bericht. Da kommen sofort nochmal die eigenen Urlaubsgefühle vom Sommer hoch.
Ein Pino, das im Paar bzw. Rudel auftritt, ist doch immer recht beeindruckend.

Und nun haben wir auch die Küchenbretter im vollen Einsatz gesehen...

Viele Grüße Claudia
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