Nordfriesland - anders als geplant
Verfasst: 16.07.2026, 08:39
Für die Pino-Radreise mit meinem Sohn diesen Sommer gab es in Sachen Streckenplanung ein einziges Kriterium: größtmögliche Unabhängigkeit von der Deutschen Bahn! Starten wollten wir von Bremervörde mit Ziel nordfriesische Küste und Inseln. Ich fühlte mich umfassend vorbereitet: entgegen meiner Gewohnheit waren alle Unterkünfte gebucht, die Etappen in Komoot abgespeichert sowie Bade- und Kuchen-Stops recherchiert. Der Stoker bekam ein kleines Tourenbuch zusammengestellt, um Vorfreude, Erwartungsmanagement und Teilhabe zu steuern. Der Hitzedom über Mitteleuropa war inzwischen zusammengebrochen, was also sollte die Urlaubsfreude trüben? Little did I know.
Tag 1: Die norddeutsche Brise trieb uns entlang des Oste-Radwegs Richtung Elbfähre in Wischhafen. Mit den startenden Sommerferien war die Warteschlange dort auf fast 1,5 km angewachsen, an denen mein Stoker fröhlich winkend vorbeifuhr. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Kaum am Kopf der Schlange angekommen, machte die Nachricht die Runde, dass der nordseitige Fähranleger in Glückstadt Schaden genommen hatte, Reparatur ungewiss. Selbstredend befand sich unsere erste Unterkunft in Glückstadt. Das Hirn suchte fieberhaft einen Plan B. Würde der Akku bis zum nächsten Bahnhof reichen? Nur mit Glück und Rückenwind. Passt das Pino in Hamburg Hbf in die Aufzüge? Ungewiss. Gibt es in Wischhafen eine Unterkunft und falls ja: schaffen wir es, vor den gelben Autokennzeichen ein Zimmer zu ergattern? Nach über einer Stunde Warten dann die erlösende Nachricht, dass der Fährbetrieb wieder aufgenommen wird und wir wie geplant nach Glückstadt übersetzen können.
Tag 2: Das Sturmtief über der Nordsee war inzwischen an Land gegangen und tobte sich dort freudig aus. Ziel unserer Etappe war Büsum. Nach einer Dreiviertelstunde Kampf gegen den Wind waren zwei Lichtlein am Akku erloschen und damit klar, dass der Tagessieg nicht an uns gehen würde. Kleinmütige Umkehr und Einreihung in die übrigen wartenden Radfahrenden am Bahnhof Glückstadt, die ebenfalls aufgegeben hatten.
So hatten wir also einen Nachmittag in Büsum gewonnen und freuten uns auf Tag 3, an dem der Radurlaub nun aber so richtig durchstarten sollte. Das tat er zunächst mit Nieselregen gefolgt von dem Fehler W011 – Probleme mit dem Geschwindigkeitssensor. Hrmpf. Alles nochmal ein- und ausgebaut, Rat im Forum gesucht, neugestartet, irgendwann lief das Rad wieder. Der Regen ging von Niesel in Landregen über und kübelte gegen Mittag wie aus Eimern, und zum Höhepunkt der Durchnässung fiel neben dem Motor auch das Handy aus. Um es kurz zu machen: Tag 3 endete vorzeitig am Bahnhof.
Nun aber, mit Tag 4 sollte alles anders werden. Schafe auf den Weiden, Schäfchenwolken am Himmel, das Pino startete und fuhr problemlos. Pommes am Deich, Kunst in alten Höfen, Kaffeepausen mit netten Begegnungen. Und da war es wieder, dieses Gefühl, im Hier und Jetzt, genau am richtigen Ort zu sein, alles war gut, das Leben ist schön! Oder wenigstens für einen Tag, denn eine halbe Stunde vor Ankunft ging der Motor mehrfach ohne weitere Vorankündigung bei voller Fahrt aus. Im stop-and-go schafften wir es bis zum Hotel. In dessen Sichtweite: ein kleiner Bahnhof – deutlicher kann ein Zaunpfahl nicht winken. Der Rest ist schnell erzählt: Ich wollte unser Glück nicht überstrapazieren (sprich, irgendwann mit besonderem Kind und besonderem Fahrrad und Gepäck endgültig im Nirgendwo zu stranden). Daher lagerten wir das Pino ein paar Tage im Hotel ein, und fuhren mit Bahn und Bus zu unseren nächsten Zielen auf Föhr und Amrum. Der breite Strandgürtel, genannt Kniepsand, auf Amrum, ist was ganz Besonderes und hat uns schwer begeistert.
Nach den Inseln ging es dann zwei Tage früher als geplant mit dem Zug nach hause, die letzten notwendigen Radkilometer zwischen Bahn und Fähre fuhr das Pino natürlich anstandslos… Ein Check in der Werkstatt ergab nichts auffälliges, aber einen deutlich in die Jahre gekommenen Motor, der wohl langsam anfängt, seine Besonderheiten zu entwickeln.
Statt der eingeplanten zwei Bahnfahrten haben wir also elf Züge benutzt. Alle waren pünktlich, alle hatten funktionierende Türen und kamen in korrekter Wagenreihung. Könnte also sein, dass das Pünktlichkeitskontingent der Bahn für Norddeutschland für diesen Sommer damit aufgebraucht ist
Tag 1: Die norddeutsche Brise trieb uns entlang des Oste-Radwegs Richtung Elbfähre in Wischhafen. Mit den startenden Sommerferien war die Warteschlange dort auf fast 1,5 km angewachsen, an denen mein Stoker fröhlich winkend vorbeifuhr. Doch Hochmut kommt bekanntlich vor dem Fall. Kaum am Kopf der Schlange angekommen, machte die Nachricht die Runde, dass der nordseitige Fähranleger in Glückstadt Schaden genommen hatte, Reparatur ungewiss. Selbstredend befand sich unsere erste Unterkunft in Glückstadt. Das Hirn suchte fieberhaft einen Plan B. Würde der Akku bis zum nächsten Bahnhof reichen? Nur mit Glück und Rückenwind. Passt das Pino in Hamburg Hbf in die Aufzüge? Ungewiss. Gibt es in Wischhafen eine Unterkunft und falls ja: schaffen wir es, vor den gelben Autokennzeichen ein Zimmer zu ergattern? Nach über einer Stunde Warten dann die erlösende Nachricht, dass der Fährbetrieb wieder aufgenommen wird und wir wie geplant nach Glückstadt übersetzen können.
Tag 2: Das Sturmtief über der Nordsee war inzwischen an Land gegangen und tobte sich dort freudig aus. Ziel unserer Etappe war Büsum. Nach einer Dreiviertelstunde Kampf gegen den Wind waren zwei Lichtlein am Akku erloschen und damit klar, dass der Tagessieg nicht an uns gehen würde. Kleinmütige Umkehr und Einreihung in die übrigen wartenden Radfahrenden am Bahnhof Glückstadt, die ebenfalls aufgegeben hatten.
So hatten wir also einen Nachmittag in Büsum gewonnen und freuten uns auf Tag 3, an dem der Radurlaub nun aber so richtig durchstarten sollte. Das tat er zunächst mit Nieselregen gefolgt von dem Fehler W011 – Probleme mit dem Geschwindigkeitssensor. Hrmpf. Alles nochmal ein- und ausgebaut, Rat im Forum gesucht, neugestartet, irgendwann lief das Rad wieder. Der Regen ging von Niesel in Landregen über und kübelte gegen Mittag wie aus Eimern, und zum Höhepunkt der Durchnässung fiel neben dem Motor auch das Handy aus. Um es kurz zu machen: Tag 3 endete vorzeitig am Bahnhof.
Nun aber, mit Tag 4 sollte alles anders werden. Schafe auf den Weiden, Schäfchenwolken am Himmel, das Pino startete und fuhr problemlos. Pommes am Deich, Kunst in alten Höfen, Kaffeepausen mit netten Begegnungen. Und da war es wieder, dieses Gefühl, im Hier und Jetzt, genau am richtigen Ort zu sein, alles war gut, das Leben ist schön! Oder wenigstens für einen Tag, denn eine halbe Stunde vor Ankunft ging der Motor mehrfach ohne weitere Vorankündigung bei voller Fahrt aus. Im stop-and-go schafften wir es bis zum Hotel. In dessen Sichtweite: ein kleiner Bahnhof – deutlicher kann ein Zaunpfahl nicht winken. Der Rest ist schnell erzählt: Ich wollte unser Glück nicht überstrapazieren (sprich, irgendwann mit besonderem Kind und besonderem Fahrrad und Gepäck endgültig im Nirgendwo zu stranden). Daher lagerten wir das Pino ein paar Tage im Hotel ein, und fuhren mit Bahn und Bus zu unseren nächsten Zielen auf Föhr und Amrum. Der breite Strandgürtel, genannt Kniepsand, auf Amrum, ist was ganz Besonderes und hat uns schwer begeistert.
Nach den Inseln ging es dann zwei Tage früher als geplant mit dem Zug nach hause, die letzten notwendigen Radkilometer zwischen Bahn und Fähre fuhr das Pino natürlich anstandslos… Ein Check in der Werkstatt ergab nichts auffälliges, aber einen deutlich in die Jahre gekommenen Motor, der wohl langsam anfängt, seine Besonderheiten zu entwickeln.
Statt der eingeplanten zwei Bahnfahrten haben wir also elf Züge benutzt. Alle waren pünktlich, alle hatten funktionierende Türen und kamen in korrekter Wagenreihung. Könnte also sein, dass das Pünktlichkeitskontingent der Bahn für Norddeutschland für diesen Sommer damit aufgebraucht ist